Am 1. April 2024 trat Deutschlands Konsumcannabisgesetz (KCanG) in Kraft und legalisierte den Cannabisbesitz und Heimanbau für Erwachsene. Genau zwei Jahre später wurde die zweite offizielle EKOCAN-Evaluierung veröffentlicht, umfasst 222 Seiten und bietet die bislang umfassendste Bewertung von Europas größter Cannabisreform.
Die Evaluierung wurde von einem Forschungskonsortium unter der Leitung des University Medical Centre Hamburg-Eppendorf durchgeführt, in Zusammenarbeit mit Forschern der Universitäten Düsseldorf und Tübingen. Sie wurde vom Deutschen Bundesministerium für Gesundheit in Auftrag gegeben und deckt drei vorgeschriebene Bereiche ab: Kinder- und Jugendschutz, öffentliche Gesundheit und cannabisbezogene Kriminalität.
Kriminalität um 80% gesunken
Der bemerkenswerteste Befund ist der Zusammenbruch cannabisbezogener Straftaten. Cannabisverbrechen sanken um 80% vom ersten Quartal 2024 bis zum Rest des Jahres. Die Zahl der cannabisbezogenen Straftaten fiel von fast 174.000 Fällen im Jahr 2023 auf knapp 62.000 im Jahr 2024, nach Angaben des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). Die EKOCAN-Forscher beschreiben dies als die bedeutendste Entkriminalisierung in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland.
Für Cannabiskonsumenten hat sich das Risiko einer Strafverfolgung weitgehend erübrigt. Während das Gesetz neue Ordnungswidrigkeiten einführte, wie den Konsum in Gegenwart von Minderjährigen oder das Anbauen von mehr als drei Pflanzen, bleiben diese ein kleiner Teil der Gesamtfälle.
Jugendkonsum sinkt weiterhin
Die größte Befürchtung von Legalisierungsgegnern war, dass der Cannabiskonsum bei jungen Menschen sprunghaft ansteigen würde. Die Daten zeigen das Gegenteil. Der Cannabiskonsum bei Jugendlichen hat einen Rückwärtstrend fortgesetzt, der 2019 begann, völlig unberührt von der Legalisierung. Bei Teenagern bleibt das Bewusstsein für die mit Cannabis verbundenen Risiken hoch.
Der Verband der Deutschen Cannabiswirtschaft (BvCW) fasste die Ergebnisse zusammen: "Es ist kein Anstieg des Cannabiskonsums erkennbar, der Konsum bei Jugendlichen sinkt, und der Schwarzmarkt wurde teilweise reduziert. Das Gesetz hat bewiesen, dass verantwortungsvolle Regulierung und effektiver Jugendschutz Hand in Hand gehen."
Europas größter legaler Cannabismarkt
Deutschland importierte 2025 200 Tonnen medizinisches Cannabis, eine Steigerung von 198% gegenüber dem Vorjahr. Die Hauptlieferungen kommen aus Kanada. Jacob Manthey, ein Forscher an der University Clinic Hamburg-Eppendorf, merkte an, dass diese Größenordnung in keinem anderen europäischen Land zu finden ist. Deutschland ist nun, deutlich, der größte legale Cannabismarkt in Europa.
Der geschätzte Gesamtjahresbedarf an Cannabis in Deutschland liegt zwischen 670 und 823 Tonnen. Legale Quellen gewinnen Marktanteile, wobei der Schwarzmarkt "schrittweise durch legale Angebote ersetzt wird", nach Aussage der Forscher. Der Anstieg des legalen Konsums wird primär durch Heimanbau und Apothekenkäufe getrieben.
Cannabisclubs noch klein
Ein Bereich, in dem die Reform unterperformt hat, sind Cannabissozialclubs (Anbauvereinigungen). Diese gemeinnützigen Anbauverbände sollten ein Schlüsselelement der legalen Versorgungskette sein, spielen aber aufgrund strenger Lizenzierungsbedingungen noch immer eine "untergeordnete Rolle". Der EKOCAN-Bericht empfiehlt, dass Gesetzgeber den restriktiven Rahmen überprüfen, einschließlich des Verbots der Abgabe und des Konsums in Clubs.
Forscher wiesen auch auf Bedenken bezüglich des Medizinalcannabismarktes hin. Ärzte verschreiben regelmäßig Produkte mit einer durchschnittlichen THC-Konzentration von etwa 25%, während für die Therapie weniger als 10% empfohlen wird. Dies hat Fragen aufgeworfen, ob einige medizinische Verschreibungen für Freizeitzwecke statt für echten medizinischen Bedarf verwendet werden.
Konservative Opposition trotz der Daten
Trotz der überwiegend positiven Bewertung setzen konservative Politiker weiterhin auf Einschränkungen. Brandenburgs Innenminister Jan Redmann (CDU) argumentierte, dass Cannabisclubs den Schwarzmarkt nicht zurückgedrängt hätten. Hessens Innenminister Roman Poseck (CDU) nannte das Gesetz "einen bleibenden Fehler." Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) hat es zuvor als "verdammtes Gesetz" bezeichnet.
Die Cannabisanwältin Judith Heimbuerger, die am 26. März eine detaillierte Analyse der EKOCAN-Daten präsentierte, merkte an, dass die politische Debatte "strukturell verzerrt" gegen Gegner ist. Die Wissenschaftler, die die offizielle Evaluierung durchführen, erhalten selten die Plattform, die Politiker bekommen. Die Daten erzählen jedoch eine andere Geschichte als die Schlagzeilen.
Was es für Europa bedeutet
Deutschlands zweijährige Evaluierung kommt zu einem kritischen Moment für die europäische Cannabispolitik. Das niederländische Wietexperiment nähert sich einer ersten großen Bewertung Mitte 2026. Tschechien legalisierte persönliche Nutzung und Heimanbau im Januar 2026. Basel in der Schweiz führt seit über drei Jahren einen regulierten Apotheken-Verkaufssversuch durch.
Mit 84 Millionen Menschen und der größten Wirtschaft Europas haben Deutschlands Daten mehr Gewicht als jedes andere Reformexperiment des Landes auf dem Kontinent. Die Botschaft aus der EKOCAN-Evaluierung ist klar: Legalisierung verursachte nicht den Schaden, den Gegner voraussagten. Die Kriminalität fiel dramatisch. Der Jugendkonsum sank weiter. Der legale Markt wächst. Der Himmel fiel nicht ein.
Für politische Entscheidungsträger in ganz Europa, die ihren nächsten Schritt in der Cannabispolitik erwägen, machen Deutschlands zweijährige Daten den Fall für Regulierung schwerer denn je, zu ignorieren.
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